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 Die Geschichte vom 10 Pfennig Stück

Als ich irgendwann vor dem Jahreswechsel so an die Einführung des Euro dachte, ist mir auch eine seltsame Geschichte eingefallen, die aber wirklich stimmt und mich um eine Nacht Schlaf brachte:

Wir hatten die Große Zinne Nordwand, Comiciführe geplant. Immer war diese Führe mein Traum gewesen, geniale Linie und eine wirklicher Meilenstein in der Geschichte des modernen Kletterns, mit der sich Emilo Comici bereits 1933 sein eigenes, ewiges Denkmal gesetzt hatte.
In jedem Alpinbuch erwähnt, diese Führe wollte ich klettern können, ich sagte mir selber schon, da mußt Du durch, egal wie, nach einem Rückzug ein Jahr zuvor hatte ich mich 1991 auch mental auf diese Führe vorbereitet. Erst im letzten Moment entschied sich, mit wem ich gegen sollte, es war mein Freund Klaus. Bis zuletzt hatte er sich geweigert, er meinte, mit ihm hätte ich schlechtere Chancen auf die Führe, wo ich sie mir doch so gewünscht hätte, ich solle, wie im Jahr zuvor, mit seinem Freund Michael gehen. Aber ich wollte nicht, ich wollte mit ihm, wußte, auf ihn kann ich mich verlassen, also überredete ich ihn.

Klaus war Mathematikstudent, der Umgang mit Zahlen machte ihm Spaß. Er machte, immer wenn wir miteinander unterwegs waren die Kasse. Kasse machen hieß, er schrieb sich immer auf einen kleinen DIN A6 Blöckchen auf, was jeder ausgegeben hatte, um anschließend, am Ende des Urlaubs, jeden auszurechnen, was er zuviel oder zuwenig gezahlt hatte und das Geld dann entsprechend einzufordern oder rauszurücken. Zwei Tage blieben wir noch in Regensburg, die Schreiberei ging aber bereits los. Der Block war recht klein, seine Zahlen noch kleiner, stets ein witziger Anblick, wenn er sich mit seinen langen Haaren über seinen Block beugte, dann fiehlen ihm die langen Haare auf seinen Block, auf dem er noch kleinere Zahlen notiert hatte, was ihm beim Schreiben zusehens behinderte.
Nun, irgendwann sind wir dann losgefahren nach Italien, Lire getauscht (alles aufgeschrieben worden), das alles irgendwie ausgegeben, ach übrigens, wir haben die Tour dann tatsächlich durchstiegen, aber das nur nebenbei, bringt nix für den Fortgang der Geschichte. Lire wieder zurückgetauscht (mußten wir damals, bei unseren beschränkten Mitteln als Studenten), auf dem Rückweg noch nach München, wir wollten uns noch einen fehlenden Friend organisieren, also irgendwo am mittleren Ring geparkt und mit der U-Bahn rein in die Stadtmitte gefahren. Zurück nach Regensburg, wo ich Klaus wieder absetzte. Am nächsten Tag mußte ich wieder zurückfahren, Klaus war daher stundenlang nicht ansprechbar und brütete über seinem Block (Er mußte ja schließlich die “Kasse abschließen). Irgendwann nervte mich das, ich sagte, “komm, laß das jetzt, wir gehen noch eins trinken auf unsere Tour”. Nee, war nicht zu machen, die Rechnung stimmte nicht. Er wollte nochmal nachrechnen. Eine Stunde später, jetzt wollte ich aber wirklich los, frage ich schon ungeduldig, wo denn jetzt das Problem liegt. Die Antwort brachte mich fast um den Verstand. Seine Rechnung war nicht aufgegangen. 10 Pfennig fehlten. Ich wurde langsam wütend, holte meinen Geldbeutel, legte ihm die 10 Pfennige hin, sagte: “So, jetzt stimmt sie, komm los, wir gehen jetzt eines trinken.”
Es wurde ein feucht-fröhlicher Abend, irgendwann nachts gegen zwei sind wir dann heimgekommen (kein Wunder, sind ja erst nach zehn losgekommen, wegen dieser blöden Rechnung). Irgendwie konnte ich dann aber nicht mehr einschlafen. Half alles nix. Schäfchen zählen oder was weiß ich, nichts führte zu dem gewünschten Ergebnis, dem Schlaf. Am Tag der Tour war ich so platt, daß ich überall hätte einschlafen können, jetzt war ich wieder im richtigen Leben, es ging nicht. Um vier Uhr sah ich nochmal auf die Uhr, ach du Scheiße, immer noch nicht eingeschlafen. Irgendwann begann ich einzuduseln. Fast. Wäre ich nicht von einem “Haaaaaaaaaaaaaaaaa” in der Lautstärke eines startenden Düsenjets geweckt worden. Ich gerade auf dem Weg zum Einschlafen, frage, “was is denn jetzt”, Klaus steht senkrecht im Bett, hat bereits das Licht an (igit, sehr grell) und verkündet: “Ich weiß, wo die 10 Pfennig sind” - er kramt in seiner verwachenen Jeans und holt das 10 Pfennig Stück hervor. Des Rätels Lösung: Die U-Bahn Fahrkarte in München kostete 4,90 DM - die 10 Pfennig hatte er sich, in Ermangelung einer besseren Gelegenheit - in die Tasche gesteckt. Jetzt hatte er sie wieder gefunden! In dem Hochgefühl, doch richtig gerechnet zu haben, stieg er auch sofort wieder in sein Bett, machte das Licht aus - und - 5 Minuten später hörte ich bereits das sehr rythmische, aber leider immer lauter werdende Schnarchen aus seinem Innern!
Ich hätte jetzt Schlafen können - wenn er eben nicht so laut geschnarcht hätte. Am nächsten Morgen stand ich ein klein wenig übernächtigt auf. Irgendwann beim Frühstück fragte mich dann Klaus: “Mensch Jürgen, irgendwie siehst Du heute schlecht aus, war wohl doch die Anstrengung von der Comici, die jetzt durchkommt!”
Ich sagte nichts, schließlich hatte ich ja die Tour mit ihm zusammen geschafft.

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