kletterphoto.de
        by Jürgen Kremer

Home
Zu den Galerien
Über mich
Gästebuch
Neues
Links
Alles mögliche

DIE BILDER DES MONATS

Juli Spatzen in Arco klein

Das Bild des Monats
Juli

Mikrokosmos

 

Eine Woche auf dem Camping Arco

Camping Arco am Abend

Eigentlich gehe ich ja gar nicht mehr auf Campingplätze. Woran das liegt? Nun, die Erklärung ist eigentlich ganz einfach. In Lumignano, meinem Lieblings Sportklettergebiet, da gibt es keinen. Jedenfalls keinen vernünftigen in der Nähe. In den Dolomiten, meinem Lieblings Alpin Klettergebiet auch nicht. Es gibt da zwar ein paar, aber das ist dann mit immensem Aufwand verbunden. Du mußt dein Auto rausstellen, weil Du Nachts nicht rauskommst, Du zahlst für eine Übernachtung, die Du eigentlich am Fels hinter Dich gebracht hast. Willst Du an eine andere Route und überlegst es Dir zu spät, mußt Du den Preis bezahlen für die nächste Nacht weil Du es hättest vorher sagen müssen wann Du abreist und außerdem: Die italienischen Campings verlangen in der Hauptsaison, also der Dolomitensaison ein ganz gehöriges Maß an pekuniärer Pein. Jedenfalls - wenn man überhaupt draufkommt und nicht schon das Schild vor der Tür hängt: Komplett!

 

Nun, das sind alles Gründe, weswegen man nicht auf einen Camping geht. Und so habe ich es auch die letzten 12 Jahre gehalten. Es gibt aber auch Gründe, weswegen man auf einen Camping geht und die sind leider unschlagbar: Man hat eine Frau dabei. Mir so passiert im Juni 2012, wobei ich mir im Nachgang so denke: Naja, bei entsprechender Planung wäre es vielleicht auch ohne gegangen. Aber was soll's. Wir landen auf dem Camping Arco, der vordere, deutlich mondänere Camping in Arco. Der Camping Zoo liegt dahinter, ist zwar etwas billiger, hat aber den Nachteil, daß man ein Auto braucht um in die Stadt zu kommen, am Camping Arco kann man das alles erlaufen. Nun, wir stellen also unsere beiden Zelte auf. Natürlich erst, nachdem man am Empfang einen Plan in die Hand gedrückt bekommt, worauf die möglichen Plätze eingezeichnet sind. Man solle sich einen aussuchen. Also Platz ausgesucht, möglichst einsam (geht das auf einem Camping?) und möglichst nahe oder weit genug weg von den Sanitärräumen (Nähe ist gut Nachts, zu nah ist auch nicht gut Nachts, denn da kommen ja noch andere auf die Idee, daß Nachts die Blase drückt...). Also mit dem Plan wieder vormarschiert, die Nummer bekannt gegeben und dann duddelt der Man an der Rezeption das ganze Zeugs in seinen Computer und der Videochip an der Schranke erkennt unsere Autonummer und läßt uns rein. Noch ne Nummer für das Drehkreuz, denn ab 23.00 Uhr ist der Camping dicht, da heisst es dann Auto draussen und durch das Drehkreuz rein, finstere Gesellen und so... Horrorgeschichten: Da sind Leute durchgegangen und haben Nachts das Zelt aufgeschlitzt und alles geklaut, was sie zu fassen gekriegt haben... ich lach mich tot, so wie das Publikum hier aussieht, fallen dann ja zwei Drittel in Wachkoma...

Zelte im Camping Arco

Also gut, die Sache wäre dann schon mal erledigt, wir sind drin. Während ich mich an das Zelt und andere Dinge mache, realisiere ich die Welt um mich herum kaum. Ich fange erst damit an, als ich in den nächsten Tagen Zeit dazu habe. Wieso hast Du eigentlich Zeit dazu frage ich mich, aber die Antwort ist eine relativ einfache. Nun, man kann im Juni, wo es lange hell ist, auch keine 10 Stunden klettern. Weiterhin sind die Dinge des täglichen hygienischen Lebens recht einfach, man geht in der Früh 20m, kann sich duschen und rasieren und sogar die Zähne kriegen noch ihre Pasta weg, also alles im grünen Bereich. Die Pizza ist nicht weit und die bringen Dir ihr Essen, also fällt die Sache mit dem Einkauf, dem Kochen und dem anschließenden Abspülen mit einfachen Mitteln irgendwo am Bach dann weg, kostet auch normal immer ein paar Stunden. Also: Die Zeit bleibt über. Normalerweise brauche ich die Zeit für diese Tätigkeiten, bin das gar nicht mehr gewohnt ohne und dann geht der Tag genau auf. Eigentlich zwar einfaches Tun, aber man ist durchaus zufrieden damit am Ende des Tages, denn der Tag war ausgefüllt, man hat für die täglichen Dinge des Lebens selbst gesorgt, eher ein Gefühl, das im täglichen Leben seltener vorkommt. Daheim gehst Du auf Arbeit, in die Kantine oder bestellst ein Pizza, höchstens das Wochenende an dem man schalten und walten könnte, aber dann kommt ja wieder die Zeit, dieses schreckliche Monster, welches Dir sagt - geh lieber klettern und verschiebe alles andere, vielleicht hast Du ja sonst keine Zeit mehr dafür - durchaus berechtigt der Einwand, daher lieber klettern gehen.

 

Hier gehe ich klettern und habe trotzdem - eben weil man nichts einkaufen, nichts vorbereiten, nichts kochen oder spülen muß auf einmal Zeit. Wo kommt denn diese Zeit auf einmal her, ich verstehe es zunächst nicht ganz, aber - egal wie man es dreht und wendet - sie ist da. Einfach einmal Zeit, nichts zu tun. Ein gutes Buch zu lesen. Mache ich. Einzig die Tatsache, daß wir keinen Campingstuhl mit uns führen, läßt das zu einem etwas schwierigen Unterfangen werden, beim Liegen bin ich da schnell etwas ungelenk ob der Gewichtskraft der eigenen Körperfülle oder wahrscheinlich dem Alter. Also: Plan B: Gutes Buch und Fußball. Fußball deshalb, weil gerade die Vorrundenspiele der EM 2012 laufen. Eigentlich ideal. Zunächst das erste Spiel ansehen, dann Pizza essen gehen, dann Spiel Nummer zwei. Nach einem zunächst holprigen Start gelang mir das hervorragend. Aber auch in der Früh war genügend Zeit. Der Minimarket bietet eigentlich alles, was ein Frühstück braucht und in der Zwischenzeit haben es sogar die Italiener geschafft, ein Brötchen zu backen, welches man auch essen kann. Was will man mehr.

 

Noch mehr Zeit also.

 

Zeit zur Beobachtung. Was ich zunächst noch etwas amateurhaft mache, gestaltet sich bald zu einem innerem Kaleidoskop. Ich beobachte. Aber bald beobachte ich so viel, daß ich den Menschen, den Dingen Namen geben muß, um sie kategorisieren zu können. Einige der Eindrücke versuche ich mal - sicherlich nur bruchstückhaft und sicherlich auch aus der Kürze der Erinnerung heraus zu schildern. Wahrscheinlich sind sie ja falsch und geben nicht den Charakter der wahren Person wieder, die ich nur in einer Momentaufnahme beobachten konnte. Aber immerhin. Ich beobachtete.

 

Der darf nicht kucken Mann

Der darf nicht kucken Mann war eigentlich ein freundlicher Zeitgenosse, seine Frau war es dagegen weniger. Leider habe ich kein genaues Bild vom darf nicht kucken Mann, da ich ihn auf meinem täglichen Gängen am Camping kaum einmal gesehen habe. Nur am Eingang vom Camping an dem er anfangs mit seiner Frau noch weilte. Der Eingang des Campings hatte einen Vorteil: Fernseher mit Fußball und ein Minimarket, in dem man, wenn man rechtzeitig kam, noch sein Bier kaufen konnte. Gekühlt, 0,66 ltr und 2 Euro waren die Rahmenbedingungen, also soweit ok. Ich legte mir dann schon immer rechtzeitig die zwei Euro Stücke zurecht, rein in das Ding, Flasche raus und zwei Euro auf den Tisch des Hauses, was will man mehr erwarten vom Leben frage ich euch? Ich war daher mit der allgemeinen Situation ziemlich einverstanden, bis ich den darf nicht kucken Mann neben mir erblickte. Frau verabschiedete sich und mir schien es ein klein wenig so zu sein, als ob die ständige Maßregelung des darf nicht kucken Manns sich ein klein wenig bereits in Falten in ihr Gesicht geprägt hätte und die Stellen, an denen diese Falten entstanden, die waren sicherlich nicht dort, wo sonst Lachfalten entstehen, sondern in einem eindeutigen Winkel von 45 Grad absteigend vom Mund nach unten geneigt. Daher fragte ich mich gerade, wieso der darf nicht kucken Mann eigentlich für sein Alter noch ganz gut aussah. Gut, die 45 Grad Frau hatte es immerhin schon fertig gekriegt, seine Haar komplett ergrauen zu lassen, aber ich sage mal so: Mit seinem lässig aufgetragenen und ihm durchaus einen ebensolchen Eindruck vermittelnden drei bis fünf Tage Bart hätte der sicherlich noch andere Weiber klarmachen können, ich denke das würde hinhauen, jedenfalls bessere, als die, die noch vor wenigen Minuten an seinem Tisch saß. Ich unterhielt mich ein wenig und fraß ihm anschließend die Tüte Chio Chips (Marke: Paprika scharf, die ich ja so liebe!) weg. Er hatte sie sich kurz nachdem die 45 Grad Frau gegangen war, noch schnell beim Minimarket gekauft. Am übernächsten Tag traf ich ihn beim Zähneputzen und frage gleich nach einem Spiel, das ich nicht gesehen hatte. Er kann nicht antworten, oder nur nuscheln, denn er hat eine Zahnbürste im Mund. Er setzte sich am Abend weiter weg von mir. Dabei hatte er da doch gar keine Chipstüte mehr...

EM kucken am Camping Arco

Die Sisley Frau

Die Sisley Frau war eine Frau um die 30 und ein Opel Astra Kombi mit Dortmunder Kennzeichen älteren Datums, aber sowohl die Frau als auch der Kombi waren eigentlich noch ganz gut in Schuß. Sie hatte eigentlich recht schönes, weit über schulterlanges schwarzes Haar und ich fragte mich, was ein Frau, deren einziger Nachteil es war, daß ihr Riechorgan einige störende Höcker aufwies, auf einem Campingplatz machte. Wie gesagt, außer der Nase hätte ich Germany's next Topmodell gesagt. Und selbst dafür gibt es ja heutzutage Hilfe, also was soll's. Aufgefallen war sie mir lediglich dadurch, daß sie - genau wie wir - keinerlei Camping Utensilien mit sich führte. Wenn der Rest der Nachbarschaft sich in der Frühe gemütlich auf ihren Campingstühlen räkelte und ihre Brote schmierte - wir verbrachten unser karges Mahl auf Seilsäcken und die Sisley Frau auf einer Joga Decke mit schwarzen Leggins. Vertiefte sich in ein Buch, da dachte ich doch schon fast - oh weh , das hat irgendwas mit Asien und Enthaltsamkeit und Dalei Lama zu tun. Ne hatte es nicht, sie dampfte dann doch schon in der Früh um acht gleich mal die eine oder andere Zigarette. Dennoch späte ich gleich ihre Umgebung aus und befand: Da ist sonst keiner und in meinem innersten ratterten schon die Räder: Sollte man mal rüber gehen und Konversation betreiben? Nein, natürlich tat ich das nicht, ich bin verheiratet. Nein, das wäre auch nicht der Grund gewesen, der Grund war eher der Eindruck, den die Sisley Frau auf dem Camping hinterlies. Ach, der Name: Sie war eine Stunde später umgezogen und hatte eine fast einen Meter breite Tasche bei sich, auf dem der Schriftzug prangte. Und ich fragte mich: Was macht man allein in Arco, selbst mit Sisley Tasche (oder spricht die mit Dir?). Aber auch hier half Fußball. Zwei Tage später war sie mit einer Freundin dort am Eingang, beim Fußball. Allerdings war ihr Interesse weniger dem Ballspiel gescholten, als vielmehr ihrem Laptop, in den beide mit entsprechender Begeisterung starrten. Wobei die Freundin eigentlich das Gegenteil, aber irgendwie doch artverwandt war. Blond, aber das Blond bestand in Strähnen, die sie sich hatte färben lassen. Noch hübsch, aber sehr hart in ihrer Art, Lächeln kam ihr kaum auf die Lippen. Sie waren aber recht angestrengt am Rechner, wahrscheinlich neu.de oder sowas. Ich entschloß mich, sie nicht anzusprechen. Womöglich würde das irgendwann so enden wie mit der 45 Grad Frau des darf nicht kucken Manns.

 

Sonnyboy und Abtretfrau

Sonnyboy und Abtretfrau kamen eigentlich viel zu spät, gerne hätte ich sie noch ein paar Tage länge erlebt. Sie stellten sich direkt vor uns zwischen Sanitärgebäude und unserem Platz, was ja eigentlich gar nicht schlecht ist (wer will schon so eine Aussicht?). Sie hatten einen Dukato, natürlich einen echten ausgebauten Dukato, langer Radstand. Hinten einen Fahrradträger und zwei Räder: Partnerlook. Oh. Aber natürlich beide mit Shimano XTR. Man möchte ja auch nicht sparen, wenn es nicht unbedingt nötig ist. Gut, Shimano wirbt ja bei der XTR mit gleicher oder besserer Leistung bei 20% geringem Gewicht als die XT Gruppe. Wäre aber gar nicht nötig gewesen. Das Gewicht hatte sich Abtretfrau schon an sich selbst gespart. Diszipliniert bis in jede Faser ihrer Körpers hätte man draufschreiben können, wenn man es gedurft hätte, allerdings hatte sie mit der 45 Grad Frau eines fast gemeinsam: Den Winkel, wobei ich hier in 10 Jahren eher auf 30 Grad tippen würde (immer gegen die Senkrechte gemessen). Sonnyboy dagegen war (ich weiß nicht ob ich das könnte, wenn ich Abtretfrau dabei hätte) entspannt. Hob seine beiden 4.500 Euro teuren Räder (pro Stück, versteht sich) vom Fiat und machte sich auf den Weg irgend wohin, die beiden waren Italiener und er sowieso. So einer von dem Typus, das man sich fragt, ob man seine Freundin/Begleiterin/Ehefrau nicht doch besser einsperren sollte, jedenfalls dann, sollte man erhöhten Speichelfluß an ihr bemerken. Aber - es nutzte alles nichts - Abtretfrau würde nicht umsonst so heißen, wenn Sonnyboy nicht auch hier - trotz seines unwiderstehlichen Charmes, den er zweifellos hatte, auch an seine Grenzen gestoßen wäre. Nämlich vor seinem eigenem Bus. Füße abtreten! Sonst kommst Du hier nicht rein. Zunächst hatte ich so einen gewissen Neid, der in mir mitschwang. Woher hatte der so viel Geld, zumal er noch nicht so sonderlich alt war, 35 vielleicht. Sich mal was leisten können, das hätte ich mir auch mal gerne gegönnt und so wie die unterwegs waren, war das sicherlich komfortabel. Dann kam Abtretfrau wieder aus dem Dukato und ich setzte mich entspannt und voller innerer Zufriedenheit wieder auf meinen Seilsack, der mir in Ermangelung eines Campingstuhls als Sitzgelegenheit diente.

Campingbus am Camping Arco

Fanta Four oder die Bierkopf Gang

Auch eine skurrile Gruppe war die Bierkopf Gang. Bierkopf (so heißt das Spiel jedenfalls in Franken) ist Schafkopf Spielen mit festen Partnern, logischerweise immer dem gegenüberliegenden. Und auch wenn die anderen drei Mädels der Gruppe (von denen sicherlich keine über 25 Jahre alt war) die genauen Modalitäten des Spiels nicht so richtig verinnerlicht hatte, die Chefin (wie ich sie nannte) beharrte darauf, daß gespielt wird. Und so saßen sie dann alle vier meist etwas abseits der Fußballfans am Eingang des Campings und spielten, während wir Fußball kuckten. Dennoch konnte ich bei manchem etwas langsam anlaufenden Spiel einen Seitenblick nicht verhindern und fand noch andere Charaktere. Etwas Unwillen etwa zog sich Rasta Frau zu, die zwar mitspielte aber - wie man an den steten Belehrungen der Chefin ablesen konnte - nicht so die wahre Leidenschaft für das Spiel entwickeln konnte. Was aber die Chefin denke ich noch mehr erregte war die Tatsache, das auch ihre Belehrungen vollkommen ins Nichts stießen, denn wieder ging ein Stich daneben. Ich bin mir nicht sicher, ob sie der Überzeugung war, es ihrer Partnerin noch jemals beibringen zu können. Auch über die anderen beiden Mädels ließe sich noch etwas erzählen und vor allem die Hausfrau viel mir in der Gruppe noch ganz besonders auf. Denn während die anderen Drei stilsicher der Jack Wolfskin/Mammut/Saleva/North Face/Patagonia Fraktion angehörten, war Hausfrau einfach Hausfrau. Dabei wüßte ich gar nicht, ob sie nicht auch gleiches trug, aber sie sah so aus und wirkte auch so. Das Problem war aber eher, daß sie eben zunächst gar nicht wirkte. In der Gruppe zogen die anderen Drei die (oder besser gesagt meine) Blicke auf sich. Worte, Sprache, Gesten, Lachen. Bis mir irgendwann auffiel, daß man zum Bierkopf vier und nicht nur drei Spieler braucht. Was mich erst dann auf die Hausfrau aufmerksam werden lies, denn zuvor war sie einfach untergegangen im Quartett. Und eigentlich hatte sie auch nichts, was ihre Zugehörigkeit zu der Gruppe verdeutlichte und ihre spröde Schönheit wurde auch zunächst verdeckt von der Exaltiertheit der anderen drei. Nein, man mußte schon etwas genauer hinsehen um sie zu entdecken, denn sie wäre weder durch besondere Kleidung oder eine besondere Figur aufgefallen. Und auch Gesicht und Haare waren alles andere als einprägsam und sicherlich war sie keine Schönheit, die einem auf den ersten Blick ins Auge springt, aber hässlich war sie ganz bestimmt auch nicht. Aber eigentlich wäre es die einzige gewesen, die ich eigentlich gerne einmal kennen gelernt hätte.

 

Und eigentlich hätte es noch so viel zu berichten gegeben über die Leute am Camping Arco, ein Campingplatz wie eine kleine Welt.

Über den Mann hinter der Theke des Minimarkets, als ich mir bei dem Italienspiel gerade ein Bier holte und er meinte, daß sich das nun wirklich nicht lohnen würde, sich das Spiel der Italiener anzusehen. Aber warum denn? fragte ich ihn und er antwortete mir, daß er Italien nicht anschauen würde, die spielen keinen guten Fußball. Die Deutschen, schwärmte er, ja die Deutschen, sie würden schönen Fußball spielen , ich solle mir doch lieber die Spiele der Deutschen ansehen. Ach, und seine Landleute würde ja ohnehin bald rausfliegen aus dem Turnier, was hätte es also für einen Sinn, sich dieses Spiel anzusehnen? Nun, ich nahm mir trotzdem mein Bier und schaute das Spiel. Und hätte gerne gewußt, ob er sich das Endspiel dann doch angesehen hat.

Über die beiden alten Leute, die gleich einen Bungalow zu Beginn des Platzes gemietet hatten. Sie war im Laufe der Zeit sichtlich aus dem Leim gegangen, was aber an ihrem durchaus energischen Auftreten nichts änderte. Er hingegen war schon dünn geworden, das Laufen viel ihm schwer, so daß er sich nur wenige Meter von seinem Heim hinweg bewegen konnte. An der Automarke erkannte man aber sofort, daß Sparsamkeit sicherlich kein Grund war, warum sich die beiden auf einem Campingplatz eingemietet hatten, daher fragte ich mich gleich: Was machen die beiden eigentlich hier? Aber schon am zweiten Tag hatte er mich irgendwie ins Herz geschlossen. Jedes Mal, wenn ich nach vorne zum Kiosk schlappte um mir ein Spiel anzusehen saß er auf seinem Balkon des Bungalows und grüßte mir zu. Und bald wurde das Grüßen auch zu einer Art Ritual zwischen uns, denn manchmal grüßten wir lässig, manchmal dagegen hielten wir es eher formell. Und irgendwie am letzten Tag auch etwas traurig, als wir wieder abreisen mußten. Abreisen aus einem:

Mikrokosmos.

Zurück zur Seite: “Alles Mögliche” kommt Ihr mit einem Klick auf diese Schrift!

[Home] [Zu den Galerien] [Über mich] [Gästebuch] [Neues] [Links] [Alles mögliche]