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Fränkisch für Anfänger
Eine kleine Anleitung zur Sprache und zum Umgang mit dem gemeinen Franken

Gerade in der Ferienzeit kommt ja der eine oder andere Kletterer immer wieder mal auf die Idee, sein heimisches Klettergebiet zu verlassen und sich aufzumachen in das Land der Löcher – in die Fränkische Schweiz. Leider kommt es trotz gleicher Muttersprache aber immer wieder zu erheblichen Verständigungsproblemen, die ich hiermit bekämpfen möchte. Einen kleinen Beitrag zur Völkerverständigung möchte ich daher hiermit leisten.

Buchstaben Sparen

Zunächst zum Alphabet oder besser gesagt: Kommen wir zum Sparen. Sparen gilt ja gemeinhin als schwäbische Spezialität. Doch wir Franken übertreffen die Schwaben bei weitem, wir nämlich sparen sogar Buchstaben. Am besten erklärt ist dies durch das Wort „Treppe“ gelegentlich auch verwendet für eine sehr einfache Route – „das war eine Treppe“ bedeutet soviel wie verschwenderisches Griff- und Trittangebot. Frankenjura Zeichnung

Hart und weich

„Treppe“ also ist unser Wort und an dem lernen wir ganz besonders gut, dass es harte und weiche Buchstaben gibt. Typische Frage an einer fränkischen Grundschule: Schreibt man das mit hartem oder weichen D. Ein hartes D wäre dabei ein T, gesprochen „Haddes D“. Ein weiches D hingegen ist das eigentliche D. Ebenso verhält es sich mit dem B, in unserem Wort „Treppe“ bereits zweimal in „harter“ Form enthalten also „Zwa hadde B“

Die Endung

Ein ganz besonders heikles Thema, neigt doch der Franke gelegentlich zur Nuschelung. Um richtig nuscheln zu können, benötigt er stimmlose Endungen, das gesprochene E am Ende unseres Beispielwortes wird einfach umgewandelt zum stimmlosen M.

Wir übersetzen also jetzt unser Beispielwort: Die haddn D’s und B’s einfach umgewandelt in weiche und die Endung stimmlos in n oder m gewandelt ergibt das Wort: Drebbm. Wichtig bei der Aussprache ist hier allerdings, dass das M am Ende wirklich stimmlos gesprochen wird, man darf es also fast nicht mehr raushören.

Beliebte Füllwörter

Ein besonders beliebtes Exemplar des fränkischen Füllwortes ist „fei“. Nach einer genauen Übersetzung ins Hochdeutsche gefragt muß jeder Franke passen, denn es gibt sie nicht. Wichtig ist lediglich, dass das Wort in jedem Satz verwendet wird. Beispiel: Jemand versucht eine Kletterstelle immer wieder auf die falsche Art und Weise und kommt nicht weiter. Hier muß man sagen: „Su werd des fei nix“, also: „So wird das aber nichts“. Anschließend müsste man ihm dann raten: „Des musst fei ganz annersch machen“, also: „Das musst Du ganz anders probieren“.

Ja und Nein

Hier gibt es wiederum lokale Unterschiede, wobei die Verneinung frankenweit die gleiche ist, sie heißt: Naa. Zustimmung ist hingegen auf mehrere Art und Weisen möglich, wobei diese stets in nasalen Grunzlauten zu sprechen sind. Im nördlichen Frankenjura ist für ja häufig ein „ho“ gebräuchlich, wobei das o etwa wie „oah“ und wie gesagt nasal zu sprechen ist. Weiter südlich ist auch „Jo“ zu finden, „Hm“ ist ebenso gebräuchlich.

Begrüßung und Verabschiedung

Auch nach Kirchenskandal und Austrittswelle ist die übliche Begrüßung im Frankenjura immer noch das „Grüß Gott“, gelegentlich auch abgekürzt auf „s’Gott“. Beim Abschied hingegen hat sich in der Zwischenzeit das „Servus“ durchgesetzt, welches gelegentlich mit einem „also“ und weiteren Füllwörtern kombiniert wird, „also Servus dann“.

Wichtige Worte am Fels

Da wäre zum einen das Wort Seil, auf Fränkisch: „Saal“. Wie ich ja oben schon ausführte spart der Franke gerne. Wenn in anderen Klettergebieten klar und laut gerufen wird: „Achtung Seil“, weil jemand das Seil aus einer Route abzieht, so nuschelt der klassische Franke einfach nur in vollkommener Gleichmäßigkeit das Wort „Saal“ in die Runde, gelegentlich auch erst dann, wenn er das Seil ohnehin bereits abgezogen hat. Frankenjura Nürnberger Turm

Ein weiteres wichtiges Wort für den Kletterer ist der Haken, fränkisch statt a ein o – natürlich nasal gesprochen, dann - alles all zu harte ist dem Franken ja zuwider – statt diesem ach so hartem K einfach ein G und die Endung wieder verschluckt und gleich noch einen Buchstaben eingespart. Was bleibt heißt dann „Hogn“.

Während diese Worte ja noch durch einfache Übersetzung nach den oben genannten Regeln abzuleiten sind, hält die fränkische Sprache noch einige Schätze bereit, die einer einfachen Übersetzung trotzen. Zum Beispiel das Wort „schnechln“. Gebraucht wird dies gerne, wenn das Seil (Saal) irgendwie schlecht läuft oder sich in einer Spalte oder sonst wo verhakt hat. Um dieses Seil wieder frei zu bekommen hilft häufig: „Schnechl des Saal amol do aweng rum“ (Schwenke doch bitte das Seil ein wenig hin und her, damit wir es frei bekommen).

Ebenfalls gelegentlich am Fels verwendet, aber leider etwas vom aussterben bedroht ist ein weiteres Wort, dass ebenso wie die Fähigkeit, dreckige, nasse Risse zu klettern immer unbeliebter bei der heutigen Klettergeneration wird. „Mechnern“. Mechnern bedeutet so viel wie schimmeln oder auch schleimig. „Do hinna mechnerts obber ganz schee“ bedeutet soviel wie: Hier drinnen ist es aber ziemlich dreckig/belegt/naß.

Ein weiteres Wort, dass es auch in der Comicsprache gibt, aber eigentlich nicht im Hochdeutschen zeigt die Fähigkeit des Franken, komplexe Fragestellungen auf nur ein Wort zu reduzieren: So heißt der hochdeutsche Satz: „Entschuldigen Sie bitte, ich habe sie gerade eben nicht richtig verstanden, könnten Sie bitte Ihren letzten Satz für mich noch einmal wiederholen?“ auf Fränkisch einfach: „Hä?“

Apres Climbing

Die in manchen Führern so gerne zitierte „Szene-Kneipe“, im Hochdeutschen als Gasthaus bezeichnete Lokalität gibt es in Franken nicht. Hier gibt es noch das gute alte Wirtshaus, fränkisch auch: „Wätzhaus“. Eine typische Unterhaltung wäre also: „Gäd ihr nochert nuch ins Wätzhaus“ (Geht ihr nachher noch in einen Gasthof), worauf die Antwort erfolgt: „Jo, ober mir gänga scho ära“ (Ja, aber wir gehen da gleich hin, also „ära“ – eher). Ära, übrigens nicht zu verwechseln mit „ärn“. „Do hob iich mich ezert fei geärt“ heißt also: „Da habe ich mich jetzt aber geirrt“. Man beachte, dass das Füllwort „fei“ schön in den Satz integriert werden konnte.

Erst einmal im Wirtshaus angekommen, bestehen noch zahlreiche Möglichkeiten der Artikulation. Hat die Kneipe etwa einen Biergarten, so fragt man am besten die anderen Besucher: „Miss mer des Bier doua hulln?“ (Wird hier draußen auch bedient oder muß man sich das Bier von drinnen holen?). Wenn die Antwort lautet: „Dou kummt scho aaner“ („Es kommt jemand heraus und nimmt Ihre Bestellung auf“), so kann man sich setzen.

Anschließend wird bestellt. Auf die Frage: „Wos mecht er?“ („Was darf ich bringen, was möchtet ihr?“) antwortet man mit „A Seidla“ (einen halben Liter Bier). Hier Vorsicht walten lassen: Es soll schon vorgekommen sein, dass Unkundige nach anderen Mengen gefragt haben wie etwa: „Haben Sie auch ein kleines Bier“. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass der Wirt sich umdrehte und beim Gehen sagte: „Dann watst, bist Doscht host“ (Also: Dann warte einfach ab, bis Du Durst hast, dann kann ich Dir ja ein halben Liter Bier bringen). Danach kommt – je nach Lokalität – noch die Nachfrage: „Hell odder Dunkl?“ wobei der Wirt hier nicht über die Beleuchtung seiner Wirtsstube sinniert, sondern nach der Art des Hopfenblütengetränks fragt. Bei der Antwort ist wieder – typisch fränkisch – sparen angesagt, das heißt die Antwort lautet nicht: „Bringen Sie mir bitte ein dunkles Bier“, sondern sie lautet: „Dungl“. Das man im Bierland Franken über Bier allein Bücher schreibt ist klar, hier soll es ja nur um die Sprache gehen. Einen kurzen Satz aber doch zu Bier, denn viele Gäste wundern sich immer wieder, wenn manche dann „an Schnitt“ bestellen, ebenfalls eine fränkische Eigenart. Ein Schnitt ist immer das letzte Bier, nach einem Schnitt gibt es also kein weiteres mehr. Dafür ist ein Schnitt nur halb so teuer wie ein normales Bier, es ist aber mehr als halb voll, gelegentlich sogar so voll, dass es von einem normalem Bier nur mit Mühe unterschieden werden kann, also sozusagen ein kleines Geschenk des Wirtes an seinen Gast . Daher ist es auch nur möglich, einen Schnitt pro Abend zu trinken und nicht aus Gründen der Einsparung ausschließlich Schnitte.

Schlußwort

Somit wäre ich dann auch am Ende meiner kleinen Einführung in die Fränkische Sprache, und denke, dass damit selbst der hartgesottenste Vertreter der Hochsprache eine Überlebenschance in Franken bekommt. Schließlich wollen wir doch alle das eine, nämlich hier klettern. Und das ist ja nun ein Kinderspiel, dies nach aufmerksamen Lesen zu übersetzen: Die Antwort muß lauten:

Gleddän

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