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Juli Spatzen in Arco klein

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Juli

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Herr, laß Hirn regnen...

oder warum Kletterer sich ihre eigenen Felsen kaputt machen.

Es gab doch tatsächlich mal Zeiten, in denen man stolz von sich sagen konnte: Ich bin ein Kletterer. Galt man dann doch als harter Hund, wild und verwegen. Ein wenig Nordwandgesicht aufgesetzt und fertig war der Respekt, den man sich mit relativ einfachen Mitteln erworben hatte.

Die Zeiten haben sich geändert, ganz so einfach ist es nicht mehr. Viel mehr Menschen betreiben heute diesen Sport und die Medien und die Werbung hat ihn schon für sich vereinnahmt. Und als gefährlich wird er auch nicht mehr angesehen, unser Sport. Wozu man natürlich auch selbst beigetragen hat, längst kann ich nicht mehr zählen, wieviel hunderte von Haken ich schon gesetzt habe.

Und das Prinzip ist eigentlich auch ein ganz einfaches: Setze viel Haken und Du kannst sicher sein, daß Deine Routen auch geklettert werden. Und ein zweites Prinzip gilt ebenso: Erschließe viele leichte Routen und Du brauchst Dir nicht mal die Mühe mehr machen, vollständig zu putzen, denn das geht von ganz alleine - schon durch die vielen Wiederholer.

Das man an einem langen Wochenende etwa in Steinfeld nun mal nicht alleine sein würde, das war daher auch gar nicht zu erwarten. Was aber in letzter Zeit alles so passiert, das gibt Einem schon zu denken.

Eine skurrile Geschichte erzählte uns die nette Wirtin vom Schloßcamping in Kleinziegenfeld, die eigentlich viel für Kletterer übrig hat - und das nicht nur deshalb, weil es ja auch ihr Geschäft ist oder ihr Geschäft sein könnte - würden die Kletterer auch bei ihr übernachten. Das tun sie aber leider nicht immer, gerade an den langen Wochenenden sieht man immer wieder vor allem tschechische Autos auf den Parkplätzen im Ziegenfelder Tal stehen, die dort übernachten. Das manche von ihnen allerdings immer dreistere Verhaltensweisen an den Tag legen, ist schon befremdlich. So wie die Tschechen, die im Jahr zuvor schon am Schloßcamping übernachteten, sich aber dieses Mal die nun wirklich preiswerte Übernachtung auch noch sparen wollten und im Tal nächtigten. Weil man sich aber auch mal duschen wollte, nachts um drei dann in den Campingplatz schlich, man wußte ja schon, wo die Duschen sind. Aber statt sich still und heimlich zu duschen und wieder abzuhauen dann so ein Spektakel machten, daß nicht nur die anderen Gäste, sondern auch der Sohn unserer Wirtin wach wurde und sie schließlich des Campingplatzes verwies.

Aber nicht nur Tschechen handeln nach dem Motto: Nach mir die Sinnflut, auch Deutsche sind da nicht viel anders gestrickt. Ich erwischte einmal eine Gruppe Dresdner dabei, die am folgenden Tag an der Klinge noch kletterten, in der Nacht zuvor aber die kleine Höhle am Lichtenfelser Dach - nur 30m entfernt - in eine Müllhalde verwandelt hatten. Direkt in der Höhle befindet sich ein Schild, daß darauf hinweist, daß Feuer machen streng verboten ist und erklärt auch warum. Das das Höhlendach geschwärzt war vom Feuer vom Vortag brauche ich nicht zu erwähnen, auch hatte man sich keine Mühe gemacht, die Überreste der Feuerstelle auch nur ansatzweise zu verheimlichen, ganz im Gegenteil: Zum Entzünden des Feuers wurde auch jegliches Papier hergenommen, das man bei sich hatte, unter anderem ein amtliches Schreiben, in dem ein Dresdner aufgefordert wurde, zuviel ausbezahlte Sozialleistungen sofort zurückzuzahlen. Nun, als ich einen aus der Gruppe unten am Parkplatz fragte, wer den der Herr sei, dessen Namen ich von diesem Anschreiben ja kannte antwortete dieser: "Das ist der da oben, der jetzt gerade klettert". Jedenfalls verabschiedete ich mit den Worten, daß ich ja ihre Nummernschilder photographiert hätte und, sollte der Platz nicht aufgeräumt und frei von Müll sein, ich die Polizei einschalten wurde. Das Schreiben nahm ich auch noch mit, jedenfalls war am Abend zumindest das Gröbste an Müll beseitigt...

Nun kennt man solche Phänomene immer wieder, daß anscheinend diejenigen, die nicht aus der Gegend sind nach dem Prinzip verbrannte Erde handeln. Nach dem Motto: Dann fahre ich halt nächstes Mal woanders hin. So gesehen auch in Lumignano, wo eine Gruppe Polen sich am Parkplatz häuslich niederließ, solange, bis ein Nachbar sie fragte, wann sie denn nun endlich wieder nach Hause fahren? Und eines kann man den Leuten in Lumignano auf keinen Fall nachsagen: Das sie nicht gastfreundlich wären. Ganz im Gegenteil, der Nachbar sagte bei unserer Abfahrt, daß wir auf jeden Fall, wenn wir wieder hier wären bei ihm klingeln sollten, man könnte dann ja mal wieder miteinander reden und einen Wein miteinander trinken.

Aber kommen wir zurück nach Steinfeld und zur Boulderlounge Chemnitz, dessen übergroßes Logo auf dem Bus auch nicht zu übersehen war. Und die Frage nach dem Sinn ihres Tuns wurde dort dann auch gleich beantwortet: "Weil klettern fetzt...!" Aja, weil klettern fetzt also. Vielleicht hätte man dann auch klettern sollen und nicht auf dem Getreidefeld vor der Steinfelder Wand Frisbee spielen - mit dem Nebeneffekt, daß die Horde von 6-7 Jugendlichen auch gleich das ganze Feld niedertrampelten. Die Betreuer daraufhin angesprochen gab es zur Antwort: "Wir dachten, das sei eine Wiese". Ok. Weil halt klettern fetzt...

Alles Ausnahmen wird man mir jetzt zurufen, die meisten sind doch in Alpenvereinen organisiert, die machen doch sowas nicht. Alpenverein also: Ist das etwa der Verein, der nur eine Woche früher am Vatertag, ein Massenevent an gleicher Stelle veranstaltete? Also nicht nur gemeinsam zu einem Felsen fahren, nein, das reicht ja nicht. Da mußte noch gegrillt werden, es standen Bierbänke und alle nötigen Accessoires, um die Veranstaltung zu einem gelungenen Familienfest werden zu lassen. Obwohl der Duft von Grillfleisch doch eigentlich recht anziehend ist, mir wurde schlecht bei dem Anblick. Und hier zählt keines der vorher genannten Gründe mehr: Denn einerseits möchte doch der Alpenverein immer so gerne die moralische Hoheit besitzen, was richtig und was falsch ist im Bergsport. Und andererseits war die Meute aus Haßfurt, also so nahe genug, daß man vielleicht nochmal in Steinfeld klettern wollen würde. Geht doch auf euere dämlichen Hütten und verschwindet hier wollte ich ihnen schon zurufen, statt dessen bin ich verschwunden.

Aber wahrscheinlich wird das Sperrschild gerade schon geschrieben...wundern würde es mich nicht. Und dann braucht niemand zu jammern und zu lamentieren, denn letztlich hätte es sich jeder der handelnden Personen selbst zuzuschreiben.

Eisverkäufer in Steinfeld

Bild oben : Eisverkäufer in Steinfeld. Wahrscheinlich eine Marktlücke: Man sollte immer ein paar Tüten Chips und Erdnüsse dabeihaben und zum Verkauf anbieten. Gekühlte Getränke und zumindest einen Kocher für ein paar heiße Wiener müßten ja dann auch ganz gut ankommen.

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