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Die Bilder des Monats

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November

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Rocky

Ein ganz Großer tritt ab

Liebe Freunde,

Am 12.04.10 ist ein ganz Großer von uns gegangen. Und groß war er in jedem Sinne. Es ist unser lieber Hund Rocky, er ist sanft und ohne Schmerzen in den Händen meiner Frau beim Tierarzt entschlafen.

Rocky am KatzenbuckelNach relativ kurzer, aber dafür schwerer Krankheit blieb keine andere Wahl mehr, der Arzt hat es uns dringend geraten, den Zeitpunkt nicht zu verpassen, denn länger wäre Tierquälerei gewesen. Und genau das wollten wir ja nicht, denn gequält ist unser Rocky in jungen Jahren schon genug geworden.

Wie und wann er eigentlich zur Welt gekommen ist, das weiß keiner so genau, um 1996 soll es wohl gewesen sein, insofern hat er ja ein wirklich stattliches Alter für einen Hund seiner Größe erreicht, denn gerade großen Hunden wird ja nur ein maximales Lebensalter von 7-9 Jahren bescheinigt. Nicht so unser Rocky, denn er war bis zum Schluß ein Kämpfer.

Und das musste er auch sein, war doch seine Kindheit wohl alles andere als glücklich, er wurde auf einem Schrottplatz als Kettenhund gehalten und geschlagen, vor allem in die Hinterläufe, sein Watscheln hinten hat man ihm stets angemerkt. Völlig verhungert und nicht mehr fähig zu laufen wurde er dem Besitzer weggenommen und ins Tierheim gebracht, wo man ihn langsam aufpäppelte. Er war verstört, bissig und verängstigt, geschunden von einem sadistischem Peiniger. Eine Patin und der Vorsitzende des Tierschutzvereins Lichtenfels Harry Schöller nahm sich zunächst ihm an und brauchte ihn wieder in Kontakt zu Menschen.

Und wie es manchmal so kommt, brachte der Tod auch das Leben. Der Tod der Oma meiner Frau brachte sie dazu, an ihrem freien Freitag Nachmittag Hunde aus dem Tierheim auszuführen. Der Ladenhüter des Tierheims, den keiner wollte, der schon vier Jahr dort saß ohne jegliche Vermittlungsaussicht, der wurde ihr in die Hände gedrückt. Nimm den, der muß auch mal Gassi. Könnten wir nicht einen Hund haben? Diese Frage musste kommen. Ich ahnte es schon einige Wochen vorher und war überhaupt nicht begeistert davon. Nein, wir können eben nicht, wir arbeiten beide, wie soll das gehen?

Das Tierheim war anderer Meinung: Der ist doch sonst auch allein, das packt der. Ihr könnt doch Abends dann was mit ihm machen, das reicht ihm vollkommen. Schließlich war er ja auch schon kein junger Hund mehr, er war schon ein Rentner. Neun Jahre für einen so großen Hund ist schon viel.

Gerade war ich mit meinem Freund Michael auf den Weg in die Fränkische, als der Anruf ins Auto kam: Ich bin gerade mit ihm unterwegs, komm doch mal und schau ihn Dir an. Na gut, ich bin umgedreht.

Was ich sah, erschütterte mich einigermaßen. Ein riesengroßes, total verfilztes Tier, das auch gleich meine Hose so weit besabberte, dass ich das irgendwie nicht mehr trocken bekam. Einen Hund – meinetwegen, aber doch bitte nicht diesen…

Zwei Wochen später zog er bei uns ein. Und ich denke, nicht wir haben uns ihn ausgesucht, er hat sich uns ausgesucht. Nein, ich habe damit nix zu tun. Nein, nix. Es dauert nicht all zu lange, bis der Hund meinen Alfa erobert hatte. Ich habe es probiert mit verschiedenen Saugern, mit Decken, mit allem um gegen ihn und seine Haare anzukommen. Irgendwann habe ich akzeptiert, dass mein Alfa eben einfach nicht mehr haarlos sein wird.

Rocky an der Breitenberg SüdwandIrgendwie bemerkte ich, dass ich und auch meine Frau ständig niest. Bei ihr war es nach einem Arztbesuch gleich klar, auch meine Symptome waren ähnlich. Es war: Eine Hundeallergie. Aber auch dieses Problem war eigentlich keines, Allergien gab es schon vorher und wegen dieser Kleinigkeit stieg lediglich unser Taschentuch- verbrauch. Ich kann nicht verstehen, wieso Leute deswegen ein Tier wieder abgeben. Rocky wollte nicht wieder abgegeben werden und zeigte das auch.

Nicht nur meinen Alfa hat er erobert, nein auch die Fränkische Schweiz. Er kannte ja bisher nur seinen Schrottplatz und das bisschen Gelände rund um das Tierheim Lichtenfels, was gab es da außerhalb alles so zu entdecken – eine ganz neue, phantastische Welt und man sah förmlich, wie er es genoss. Von nun an war Rocky nicht mehr aus der Fränkischen wegzudenken, er merkte, wenn es losging. Wenn ich Mittags heim kam und kurz mit ihm Gassi ging, das machte er eben so mit. Aber Abends. Ich kam heim und zog meine Kletterklamotten an, schon kreiselte er vor der Türe: Ich will mit!!!! Naja, was will man denn machen…

Kneipen. Wo gibt es das beste Bier? Also, da dann rein. Diese Frage stellte sich bald nicht mehr. Ich selbst entfernte mich von einigen Bekannten – Freunde kann man sie dann ja nicht nennen – weil ich eben dieses Rocky Problem hatte. Man kommt eben nicht mehr in alle Kneipen in der Fränkischen Schweiz rein, wenn man Besitzer eines räudigen Monsters ist.Rocky in Burglesau an der Dreitorspitze

In manche – auch in manche Kultkneipen – wollte ich dann gar nicht mehr rein. Ich kann mich noch gut erinnern, als mich Otto, Besitzer der Kneipe in Steinfeld (Hübner Bräu) vor die Tür wies, nein – das geht nicht. Und das obwohl wir da schon 15 Jahre regelmäßig hingingen. Vielleicht hätte ich nie andere Kneipen gefunden, der Gasthof Lindner im gleichen Ort sagte gleich: Klar, such Dir einen schönen Platz, wo er liegen kann, das geht freilich.

Felsen. Dass er hinten nie gut zu Fuß war, das wussten wir schon vorher. Darum hatte er eben auch viel Angst, was sein Fahrgestell betraf. Hat man einen Hund, so merkt man relativ schnell, was sind Freunde und was sind nur Bekannte, oder auch nur Gleichgesinnte . Ich kann nicht zum Alten Schloß hoch, da kommt Rocky einfach nicht mit. Ich gehe zu jedem anderen Felsen, den ihr vorschlagt, aber da hoch geht eben nicht, ich habe es schon ein paar Mal ausprobiert. Nun, sie gingen zum Schloß hoch. Mit Dieter habe ich irgendwann dann im Frühjahr „Rocky’s Resterampe“ gebaut, eine Umgehung des Steilaufschwungs am Katzenbuckel im Bereich des Turms, damit Rocky auch mit nach oben gekommen ist. Danke, Dieter. Und auch Uwe hätte sich wohl manchmal gewünscht, woanders hinzugehen, wo die anderen waren. Danke Uwe.Rocky am Katzenbuckel oberhalb von "Rocky's Resterampe"

Im letzten Jahr wurde es kritisch. Er lief immer schlechter und auch seine ursprünglichen Feinde, die Eichhörnchen (übrigens die einzigen Feinde, bei denen er jemals gebellt hat) wurden immer uninteressanter.

Einschub, eine interessante Geschichte mit Jürgen Kollert. Wir diskutierten gerade über Vogelschützer, Rocky bemerkte ein Eichhörnchen. Ich drückte ihm die ganze Geschichte mit der Weltherrschaft der Eichhörnchen rein, wir haben dann irgendwann auch wieder über Kletterverbote diskutiert und über Vögel. Eine Lösung gefunden, es ging alles glimpflich ab, aber nach zwei Wochen kam ein Brief von ihm: Leckerli für Rocky. Danke Jürgen.

Er kam schon noch mit in die Fränkische, aber es wurde immer schleppender. Einen schönen Spaziergang haben wir im Dezember 2009 noch gemacht, kurz vor Weihnachten im Köttler Grund. Februar, als es noch mal so richtig schneite, in Treunitz. Rocky voll von Schnee aber glücklich. Danach – plötzlich und unerwartet – löste er sich einfach auf. Zuerst brach er nur hinten zusammen, bald auch vorne. Prostata und ein Magenleiden taten sein übriges.

Ich freue mich, dass er nicht gelitten hat. Es war klar, er wird nicht ewig leben, keiner von uns wird dies. Aber den Sommer, den hätte ich ihm gegönnt, meinetwegen hätte er im Herbst abtreten können, wenigstens noch einen Sommer lang, dass viel mehr nicht mehr drin war, war klar abzusehen.

Es war leider nicht mehr möglich.

Rocky hat zwar keine Kinder, aber sehr viele Routen in der Fränkischen Schweiz hinterlassen , von denen ich exemplarisch einige unten aufgezählt habe. Und die zumindest werden bleiben.

Zum Abschluß möchte ich noch darum bitten, dass sollte jemand in den heutigen schlechten Zeiten zuviel an Geld übrig haben, er davon vielleicht eine kleine Spende an das Tierheim in Lichtenfels geben könnte. Die Kontonummer steht auf der Homepage http://www.tierheim-lichtenfels.de/ oder er gibt das mir und ich sammle das und gebe es komplett ab. Ich würde mich freuen.

Jürgen

PS: Unten einen kleinen Überblick über seine Routen, die er übrigens alle onsight und in hervorragendem Kletterstil gemeistert hat.

Katzenbuckel

  • Rocky, der Luxusrentner
  • Samtpfotenpsychose
  • Hund Nr. 2787
  • Der Schnüffelpoet
  • Rocky on the Catwalk

Lichtenfelser Dach

  • Rockys Home Zone

Großziegenfelder Wände

  • Rockys Keksfabrik

Hohe Wand

  • Rockys lange Reise nach Zuhaus

Steinfeld

  • Der Fusselpatient
  • Flurschadengarantie
  • Rocky Kremer Gedenk Weg

Kleiner Stübiger Turm

  • Rocky’s Traum vom zweiten, besseren Leben

Königsfelder Wändchen

  • Rocky, der Privatpatient
  • Rockys bunte Pillen

Treunitzer Klettergarten

  • Picknickkontrolle
  • Schlappohralarm
  • Rockys wunderbare Welt der Schwerkraft
  • Kein Platz für Anton
  • Rockys Felsenparadies

Mosenberg

  • Mit Hund und Bohrmaschine
  • Die Kinder des Tierarztes studieren in Oxford
  • Detektiv Rockyfort
  • Rockys Suche nach Gemütlichkeit
  • Rockys Abkürzung
  • Der Schnüffelpatient

Weihersmühle

  • Schnüffeloase

Würgau

  • Hächel und Motz
Rocky an der Samestase

Später kommt ihr mit einem Link auf das Bild auch auf einige Bildergalerien von Rocky, im Moment allerdings zunächst wieder auf die Auswahlseite von Alles Mögliche

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