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Die Weihnachtsgeschichte

Eine – nicht ganz üblich verlaufene – Weihnachtsgeschichte
von
Jürgen Kremer

Kletterer sind – jedenfalls im Normalfall – sparsame Menschen. Ich auch. Aber sie sind – jedenfalls meistens nicht – Menschen, die irgendeine Vorsorge treffen für kommende Dinge. Die Dinge kommen allerdings unverhoffter, als man gemeinhin glaubt, dass sie kommen müssten. Hier kamen sie allerdings, dafür auch mit der entsprechenden Härte. Ein Spanienaufenthalt mit einigen Hindernissen. Aber lest selbst.

Eine Woche vor Weihnachten: Naja, diese Woche werde ich wohl auch noch rumkriegen, steht doch die Aussicht auf knapp drei Wochen klettern in Spanien kurz bevor. Noch nie war ich besonders anspruchsvoll, also am Donnerstag noch schnell Sachen gepackt, ins Auto geworfen und am Samstag geht es dann los. Freitag, ja Freitag, wieso ist da keine Zeit zum Packen? Weihnachtsfeier! Mit den Kollegen, versteht sich, in der Firma, na, muß man sich das denn unbedingt antun? Ja, man muß. Zumal als Abteilungsleiter, nein, keine großen Reden schwingen, aber zumindest Anwesenheit beweisen.

Irgendwie hatte ich Donnerstag keine große Lust auf Packen. Das geht am Freitag ja auch schnell. Zu lange wollte ich da ja nicht bleiben, also ist das am Freitag Nachmittag doch noch schnell gemacht. Kurz Geld gezogen und ab geht die Post. Fehlanzeige! Meine Karte wurde mal wieder eingezogen. Leider spukte der Geldautomat auch dann, als ich ihn mit diversen Schlägen und Beschimpfungen überzogen hatte, immer noch kein Geld aus. Zum Glück gab es damals noch die Euroschecks. Also: Rein ins nächste Möbelhaus, ein Teil rausgesucht und einen Euroscheck über 1000 DM gezückt, Rest ausbezahlen lassen (zum Glück hatten die mich in ihrer Kundenkartei, sonst hätte das auch nicht funktioniert). Zurück zur Weihnachtsfeier. Inzwischen war die Stimmung mindestens genauso hoch wie die Flut 2002 bei Grimma, ich hatte zwar keine Karte mehr - aber zumindest Bargeld (nur Bares ist Wahres). Hinsetzten, locker bleiben. Die erste Hürde war schließlich überwunden. Die zweite dagegen noch nicht. Die zweite Hürde nannte sich „Heimgehen“. Die wurde mir dafür zum Verhängnis! Irgendwie (nach diversen Bieren) fuhr mich eine Arbeitskollegin nachts gegen 4.30 Uhr nach Hause. Um 5.30 Uhr wollten wir los.
Ich legte mich in mein Bett. 5.30 Uhr: Lächerlich: Immer war Ernst etwa drei Stunden zu spät gekommen, also - wieso nicht auch dieses Mal. Ich vertraute darauf und schlief den Schlaf des Gerechten – den dafür allerdings nicht all zu lange!

5.35: Lautes und entsprechend deutliches Schellen an meiner Tür.

Ein Blick auf die Uhr verrät mir - wie nicht anders zu erwarten: Die aktuelle Uhrzeit, also im Schlafanzug und mit ca. 3 Promille im Gesicht an die Tür. „Wie siehst Du denn aus“ fragte Ernst während ich mich selber fragte, ob ich besser auf dem Catwalk oder im Gruselkabinett auftreten sollte. Nachdem mich mein Satelliten-Navigationssystem zielgerichtet zu meiner Kaffeemaschine geführt hatte und ich es schaffte, in Guinness-Buch verdächtiger Zeit sogar noch ein paar Tassen Kaffee in mich reinzupumpen, sah ich nicht wirklich klarer...

Na gut, dann eben los. Das Problem war: Wenn ich wirklich ehrlich bin, war ich noch nicht sonderlich weniger betrunken! Ein zweites Problem: Wir mussten erst nach Hollfeld, um dort Ernst’s Auto abstellen zu können (wieso wir das nicht einfach bei mir gelassen haben, die Frage stelle ich mir gerade, allerdings knapp 10 Jahre nach diesem Vorfall. Nun, irgend einen Grund wird das schon gehabt haben). Ich sagte zu Ernst, „also, fahr vor“, in der Hoffnung, dass ich die Bremslichter rechtzeitig sehe, und das Erkennen dann auch noch in Aktion umwandeln kann, etwa drei Stunden Reaktionszeit mit eingerechnet. Ich weiß zwar nicht mehr genau wie, aber irgendwie schaffte ich es Ernst zu folgen und so halbwegs unbeschadet in Hollfeld anzukommen, obwohl diese 30km mich des öfteren an dem einen oder anderen Straßenrand sahen. Irgendwie hat Ernst auch sein Auto zum Stehen gekriegt, obwohl wir vorher glaube ich wegen seiner nicht funktionieren Handbremse noch ziemlich rummachten, um das Ding irgendwo abzustellen. Damit hatte ich aber – so fand ich jedenfalls – genug an diesem Tag geschuftet, schwang mich demzufolge locker wie John Wayne in seinen Sattel auf den Beifahrersitz meines Autos, drückte Ernst den Schlüssel meines Renault R5 in die Hand und versuchte sofort, den Rest des mir sicherlich zustehenden Schlummers dann auch zu kriegen. Ernst fragte noch, wie wir am besten auf die Autobahn kommen, ich sagte ihm kurz die Route und drückte mich anschließend in das von mir neu erstandene Aldi Kopfstützen Schlummerkissen, dass mir besten Schlaf versprach. Leider war der erste Teil der von mir ausgesuchten Route zwar kurz, aber sehr kurvig, weswegen der erhoffte Schlaf ausblieb. Und als es dann fast so weit war, weckte mich Ernst ohnehin recht kräftig: „Wo geht es denn weiter???“.
Kaum zu glauben aber wahr: Wir hatten uns - nach etwa 60 Kilometern Fahrt und in unserer Heimat, der Fränkischen Schweiz - verfahren! Ich nicht genau auf irgendwelche Schilder gekuckt, Ernst eben immer weiter gerade aus, aber wahrscheinlich hätte man auch mal abbiegen müssen....
Also gut, in die nächste, in der Karte verzeichnete Ortschaft, irgendwie die Orientierung wiedergewonnen und weiter in Richtung Autobahn. Hoffentlich würde ich dann langsam schlafen können. Ja! Ging! Ich schlief! Irgendwann kamen wir an die Deutsch-Französische Grenze, damals gab es schon irgend ein Abkommen vor dem Schengener Abkommen, dass die Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Frankreich abschaffte. Da standen dann zwar noch irgend ein paar seltsam kuckende Beamte rum, aber wir waren sofort drüber. Also weiter Richtung Südfrankreich, das Klettergebiet Orgon in der Nähe von Nimes in Südfrankreich war unser erstes Etappen und auch Übernachtungsziel. Immerhin 10 bis 12 Stunden Fahrt dorthin, dass sollte für den ersten Tag reichen. Haben wir dann auch geschafft. Dort in der Gegend war es zwar wärmer als in Deutschland, aber nachts immer noch derartig saukalt, dass wir in unseren Schlafsäcken bibberten. Ein kalter Wind tat sein übriges. Am Morgen waren wir derart durchfroren, dass wir auf die Idee kamen, uns Kaffee im Zelt zubereiten zu wollen. Zumindest unter dem Vordach meines damals neu gekauften „Vau De Space II“.
Ok, ich gebe es ja zu, die Geschichte ist durchschaubar wie Plexiglas, was wird also passieren? Natürlich das, was passieren muß! Der Kocher wird umfallen, es werden Flammen rausschlagen und anschließend wird er unser halbes Vordach abfackeln. Was passiert ist: Siehe oben. Das parallel dazu in Frankreich eine Nebelbank unwahrscheinlichen Ausmaßes lag und das es dort kalt, zugig und unangenehm war, brauche ich wohl nicht zu erzählen. Zwei Tage verbrachten wir dort, bis wir uns entschlossen, uns für die Route Haniballs in umgekehrter Richtung (also Richtung Süden) zu interessieren.

Bild: Ernst beim vergeblichen Versuch einer Körperpflege (Rasieren). Am Anfang machte er dies noch regelmäßig, bis sich im Laufe der Reise die Intervalle immer mehr ausdehnten. Erstaunlich hingegen was mein Renault R5 so alles transportierte. Ich sehe da gerade: Niedrige Ladekante, viel Platz - zeigt mir mal die Autos, die das heute auch können! Was wir jedenfalls dabeihatten: Dosenbier!

Am sagenumwobenen Klettergebiet in Perpignon kamen wir daher auch spät am Abend an. Wieder sechs Stunden Fahrt weiter in Richtung Spanien liegt Perpignon knapp 40km vor der spanischen Grenze, dort dem Kletterführer gefolgt und irgendwo am Straßenrand gepennt. Am nächsten Tag passierte genau dass, was mir inzwischen schon dreimal passiert ist: Es war Nebel. Und zwar nicht nur so normaler Nebel, ne, Alfred Hitchcock hätte da mal eine Anleihe nehmen können, der Nebel des Grauens war ja wohl lächerlich gegen diese Suppe!

Bild: Ernst vor unserem (bereits angefackelten) Zelt bei Perpignon. Das Bild stammt vom Abend. Morgens war die Sicht noch schlechter. Aber das ist anscheinend immer so in Perpignon. Inzwischen war ich schon drei Mal dort. Niemals habe ich das Klettergebiet auch nur gesehen. Ich denke, die haben sich das nur ausgedacht. Wahrscheinlich gibt es überhaupt kein Klettergebiet in Perpignon...

Was bleibt über? Weiter nach Süden. Montserrat war unser nächstes Ziel. Bei Barcelona erstrecken sich diese seltsamen Konglomerat Türme in die Lüfte. Also: Nix wie hin!

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