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November

Kletterführer Dolomiten

Stefan Wagenhals & Freunde: Dolomiten Vertikal, Band Nord, Leonberg 2003, 1. Auflage 2003, ISBN 3-934650-01-5

Die Gebiete im Band Nord:

Puez- und Geislergruppe, Peitlerkofel, Rosengarten, Schlern, Langkofel- und Sellagruppe, Heiligkreuzkofel, Fanes und Tofana, Zinnen-, Cadini und Pomagagnongruppe

Stefan Wagenhals & Freunde: Dolomiten Vertikal, Band Süd, Leonberg 2003, 1. Auflage 2004, ISBN 3-934650-03-1

Die Gebiete im Band Süd:

Marmolada, Nuvolau und Croda da Lago, Marmarole, Pala, Civetta, Moiazza, Tamergruppe, Pelmo-, Bosconero- und Mezzodigruppe, Schiara, Mente del Sole, Pasubio, Brenta, Gardasee Berge

Man mag es kaum glauben - aber der letzte Versuch eines deutschsprachigen Führers für die Dolomiten ist fast schon ein Menschenalter alt: In den 50er Jahren versuchte bereits Gunther Langes mit seinen berühmten Dolomitenführern sein Glück. Damals aufgrund der vielen Fehler und der sicherlich auch begrenzerten Möglichkeiten der Informationsbeschaffung schnell zu “Langes Märchenbuch” abgestiegen, hat die neue Führerreihe von Stefan Wagenhals dagegen durchaus das Zeug, zum Standardwerk der deutschsprachigen Führerliteratur zu werden.

Gibt es nicht schon Kletterführer? Was ist neu an den neuen Führern?

Zwei statt hundert, davon 95 auf italienisch....
Ganz klar: Was mich schon immer etwas verwunderte: Für die Dolomiten sind nur relativ wenige Kletterführer in deutscher Sprache erhältlich, Auswahlführer gibt es sowieso so gut wie gar keine. Die Alpenvereinsführer, die erhältlich sind haben außerdem verschiedene Nachteile: Sie sind auf ein relativ kleines Gebiet konzentriert, gefällt es einem da nicht, fährt man woanders hin, braucht man einen neuen Führer. Macht man das Spiel ein paar Mal, kann die Sache schnell ins Geld gehen. Weiterer Nachteil: Sie beschreiben alle Routen, also zum Großteil auch den letzten Dreck! Die Selektion ist manchmal allerdings recht schwierig, eigentlich braucht man noch ein “best of” Buch, um die Perlen von den Schotterpisten zu trennen. Außerdem sind viele der Führer nicht auf dem aktuellen Stand, die aktuellsten Führer der Marmolada und der Civettagruppe z.B. sind aus 1983 und 1980! Manchmal tut sich in über zwanzig Jahren auch mal was, also: Ein neuer Führer muß her!

Was muß neu sein?
Neu sein muß - ganz klar - das Vorhandensein von Topos. Die früheren Beschreibungen: “ca. 23m empor und nach einem auffälligem Felsknauf nach links” kommen heute nicht mehr so gut. Was ist ein “Auffälliger Felsknauf”. Mir schon oft so gegangen: Suche nach dem Knauf und bei näherem Hinsehen kann ich mindestens zwei Millionen Knäufe ausmachen, die alle gleich “auffällig” sind. Wann sind 23m rum? Höhenmeter, Seilmeter? Hatte der Beschreiber eine Metermarkierung am Seil? Oft sind die “gefühlten” Meter sehr unterschiedlich zur Realität!
Weiter muß neu sein: Die Absicherung. Eine gute Beschreibung der Absicherung einer Route ist Pflicht. Während man früher mit der festen Überzeugung ins Gebirge fuhr, sich dort umzubringen, möchte man heute in der einen oder anderen Route auch glatt mal überleben. Oder man möchte dies nicht, aber vorher wissen, woran man stirbt. Oder aber sich an einen Schwierigkeitsgrad “herantasten”, dann aber in den schweren Passagen sicher sein, daß man, sollte man der Sache doch nicht ganz gewachsen sein, auch mal in einen Haken greifen kann. Die genaue Beschreibung der Absicherung und der Möglichkeit, selbst nachzusichern ist also recht wichtig. Daraus resultiert auch die Forderung vieler Südtiroler Bergsteiger nach der E-Bewertung, also der Bewertung der Ernsthaftigkeit einer Route. Diese Bewertung wird in den Führern nicht gemacht, da sie zu sehr vom aktuellen Zustand der Route abhängt, aber die genaue Beschreibung des benötigten Sicherungsmaterials sagt hier mehr aus als tausend (vielleicht schon heute nicht mehr aktuelle E-Bewertungen.

Immer noch drin sein muß:
 Länge der Route, Länge des Zustiegs und des Abstiegs, geschätzte Kletterzeit, Ausrichtung und halt die Standardsachen. Braucht man ja eigentlich nicht zu erwähnen, ist aber auch bei vielen neuen Führern nicht mehr selbstverständlich! In vielen neueren Führern erkennt man vor lauter Comics vor und im Topo die Route fast nicht mehr, manchmal wird sogar noch erwartet, daß man sich automatisch zum Einstieg hin “beamt” und wo man übernachten kann, wird sowieso kaum mehr dazu gesagt. Wie man wieder runter kommt - Fehlanzeige! Viele Führerautoren hätten mal das Buch vom Kammerlander lesen sollen: Abstieg zum Erfolg - seine These: Oben bist Du erst, wenn Du wieder unten bist!

Was für meine Begriffe wichtig ist: Geschichte - mehr als nur Topos!
 Warum ist diese oder jene Route berühmt, bekannt, berüchtigt! Die vielen Geschichten, die hinter mancher Route stecken, sind wesentlich spannender als der Tatort im Ersten. Wo ich gerade das Topo der Großen Zinne Nordwand links sehe: Die Geschichte, also die Seilschaft Steger/Wiesinger 1932 in der Nordwand der Großen Zinne ein Taschentuch an den höchsten erreichten Punkt in der Wand knüpfte, welches Comici fast ein Jahr betrachten mußte, bis er “seine” Nordwand klettern konnte - weil die Seilschaft Steger/Wiesinger durch schlechtes Wetter aufgehalten wurde....
Infos über Erstbegeher der Routen, eingeflochten in ein schlüssiges Gesamtkonzept machen einen guten Führer zu einem sehr gutem Führer - noch dazu, da dieses Wissen in der nachrückenden Hallenkletterer-Generation immer weniger bekannt ist. Viele der wirklich großen Kletterer vergangener Zeiten weichen heute leider dem Plastik. In den Dolomiten ist dieser Prozeß zum Glück noch nicht ganz so weit - die meist schlechten Haken und die Gesamtanforderungen der Routen lassen dies oft nicht zu....

Unnötig eigentlich zu sagen, daß dieses Konzept in dem neuen Führer schlüssig aufgeht!
Dagegen nötig zu sagen: Dies ist keine komerzielle Seite, ihr könnt den Führer also nicht über mich bestellen! Ich verdiene außerdem nichts dran, hier eine Besprechung zu veröffentlichen!

Bestellen könnt Ihr den Führer dagegen im Buchhandel oder über
loboedition.de, die den Führer auch fair, schnell und ohne Versandkosten verschicken!

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Bild links: Der Führerautor Stefan Wagenhals in der ersten Seillänge der Route “Via Elektroshock” (6+/7-) an der Croda di Negra (Novolau Gruppe, Band Süd).

Die von Emiglio Cipriani erst zwischen 1995 und 1997 entdeckte Croda di Negra bietet Routen um die 7-8 Seillängen. Die Routen sind bis auf wenige sehr leichte Längen bestens gesichert und auch bei unsicherem Wetter gefahrlos zu begehen.

Bild vom August 2004.

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