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        by Jürgen Kremer

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Die Bilder des Monats

November-2011-Würgau-klein

Das Bild des Monats
November

Frankenjura
 Rund um die Großziegenfelder Wände (Klinge) - Klinge

Literarisches oder so was ähnliches...

Knack und Back

Oder: Die Lust am Versagen

Einer meiner Lieblingsfelsen ist die Klinge. Ich gehe deshalb so gerne hin, weil da sehr viele Touren unterschiedlichen Charakters sind. Irgendwie hat mir die Wand früher schon gefallen. Der „Coburger Weg“ am Lichtenfelser Dach. Die Tour hat zwar weder was mit Coburgern noch mit sonst wem zu tun, vor fast 20 Jahren hatten wir da mal ein Stromaggrregat der Bundeswehr hochgeschleppt, um die Route zu sanieren! Coburger Weg heißt sie – unberechtigt immer noch in vielen Führern, die – damals neue Linie ist als „Rudolf Haringer Ged. Weg“ in dem Bühlerführer erschienen.

Frühjahr 1995: Die Wand war geradezu mein „Eigentum“. Kein Schwanz da, nicht so sonderlich beliebt, diese kalte, nasse Ecke! Irgendwo im Wald eine Scheißtour durchziehen, dazu hatten die wenigsten Lust.

Felsfreistellung 1997: Zum Klettern hingekommen. Ein riesen Aufmarsch an Leuten, die die eine Tanne, direkt am Parkplatz fällen wollten! Wir als Kletterer haben uns die Sache dann von oben angesehen. Irgendwann hatten sie das Ding dann auch gefällt, zersägt und „verwertet“, wobei man von „verwerten“ nur relativ reden konnte, lag doch jahrelang der ganze „Abfall“ der Freistellung im Tal unterhalb der Klinge. Die Zeit heilt alle Wunden, die Natur macht es oft noch schneller, inzwischen kann man an der Klinge sogar sagen, dass die Felsfreistellung im weitesten Sinne geglückt ist.

Etwa zur selben Zeit: Ich schlurfe da hoch, möchte irgend was klettern, auf einmal sehe ich da neue Haken. Die Haken stammten vom Michael Mürschberger, kurz „Möschi“ genannt. Wie es halt immer so geht, wenn man mal was Neues sieht, man regt sich erst mal drüber auf. Darüber vor allem, dass das eingebohrt ist. Hatte ich die Linien doch schon jahrelang gesehen, hatte ich daher keine Priorität gesehen, weil ich mir sagte: Das bohrt doch ohnehin keiner ein! So kann man sich irren, plötzlich waren Touren dort drin. Eine davon hieß „Chicken Modul“, die andere dann: „Knack und Back“ Ich hatte damals eine ziemlich gute Form, also auch mal in die beiden Routen eingestiegen. Bei „Chicken Modul“ hatte ich nicht so die Probleme damit, die Route nicht zu schaffen, das hakte ich vorerst ab mit den Worten „is halt ein Boulder, und ich bin eben kein Boulderer“. Bei „Knack und Back“ tat ich mir dann schon etwas schwerer mit dem Nicht-Schaffen! Es war kein Boulder, ich konnte die Route trotzdem nicht klettern! Nicht einen Furz! Dabei hatte ich doch kurz vorher schon wesentlich härtere Routen geklettert, „Bevis & Butthead“ am Diebesloch galt damals noch als 9-/9, Tendenz zu 9 (heute auch schon abgewertet) und hier 8+ oder 9- nicht annähernd klettern können? Kann das zusammenpassen? Nein, es konnte nicht!

Erste Versuche: Also gut, dann sehen wir uns die Drecksdinger halt mal an. Mein Kletterpartner Walter bevorzugte zur damaligen Zeit die Route „Chicken Modul“, weil er ohnehin mehr auf kleingriffige, harte Züge steht, ich kuckte da auch regelmäßig mal rein und bestätigte mein Urteil: Nicht für mich kletterbar. Daher 3m nach rechts, ein paar Versuche in „Knack und Back“ unternommen. Das Ergebnis war in etwa das Gleiche. Die Route auch als unkletterbar empfunden. Schon der Einstieg war mir derartig schleierhaft, dass die Haken eher als Steighilfe, denn als Sicherungsmittel herhalten mussten. Das geht einfach nicht. Nach vier Haken war dann ohnehin Schluß. Der weite Aufsteher, das unsichere Klinken den fünften Hakens. Zu weit, zu unsicher, zu schlecht. Geht eben nicht!

Frühjahr 1998: The same procedure as every year! “Chicken Modul“ immer noch unmöglich, bei “Knack und Back” einen kleinen Erfolg. Ich entdecke die Linksvariante, mit der man den dritten Haken einhängen kann, mir gelingt, in einer Trittschlinge hängend, immerhin ein paar Mal die Stelle dorthin. Einstieg immer noch fast unmöglich, immerhin kriege ich raus, wie man vom zweiten Haken weg kommt. Bis zum vierten Haken geht es immer wieder, dann wieder das Problem vom Vorjahr. Weit zu klettern, unklar, Sturz.

Frühjahr 1999: Immer noch das Gleiche. „Chicken Modul“ weiterhin unkletterbar, „Knack und Back“ kein Deut besser. Mit viel Hakenbelastung komme ich bis zum vierten Haken, der fünfte Haken wird zur Mutprobe. Immerhin lege ich einige nette Flüge hin, erreiche sogar manchmal den Haken und der Ausstieg scheitert dann. Klasse Bilanz. Wenn ich jemals am fünften Haken ankommen sollte, werde ich den Umlenker nie erreichen. Die besten Vorraussetzungen also für das erfolgreiche Gelingen einer Kletterroute!

Herbst 1999: Aus vier Hängern an den unteren vier Haken werden zwei Hänger. Septemper 1999. Heirat, November 1999 kaufen wir uns dann ein knapp 100 Jahre altes Haus. Ich muß renovieren, komme bis Mai 2000 fast nicht mehr zum klettern, weil wir einziehen müssen, weil wir uns die zwei Belastungen aus Miete und abzahlen nicht leisten können.

Sommer 2000: Ich bin froh, wenn ich wenigstens die leichteren Routen an der Klinge noch hochkomme, an sinnvolle Versuche ist im Moment nicht zu denken.

Frühjahr 2001: Ich komme mit Bernd Weberpals öfters mal an die Klinge, nicht aus System, sondern einfach, weil es sich gut trifft – als Treffpunkt: Er kommt von Ebensfeld, ich aus Lichtenfels, beide etwa die gleiche Strecke und zentral gelegen – wir gehen oftmals hoch an die Klinge. Ich sogar eher ungern. Wüßte ich doch keine Ziele da oben. Etwa zu der Zeit wurde „Dumbo“ eingebohrt, Bernd und Andre wollten die Route gerne klettern, also waren wir oft dort. „Dumbo“, auch 9- war mir eigentlich zu schwer, aber ich nahm es als willkommene Gelegenheit, auch mal in die alten Sachen reinzugehen, nämlich meine beiden inzwischen zu Steckenpferden gewordenen Routen.

Herbst 2001: Ich probierte (wenn ja schon andere das machen) „Dumbo“ einfach auch. Und eher nebenbei die Steckenpferde. Nachdem Andre sich eines Abends, als ich wild fluchend viermal aus „Dumbo“ rausgefallen war sich hinstellte, mir es noch mal einhängte und sagte: „Du probierst das jetzt so oft, bis Du weißt, wie es geht“, war ich komischerweise der erste von uns damals dreien, der die Tour punktete! Sei es auch nur ein paar Tage vor Bernd und Andre, trotzdem gab mir das auf einmal ungeheueres Selbstvertrauen. Wenn die beiden doch augenscheinlich stärkeren Männer es nicht vor mir schafften, kann doch noch nicht vollkommen Hopfen und Malz verloren sein. Chicken Modul hatte ich inzwischen schon mehrmals probiert, mir erschien eine Lösung an der unteren Boulderstelle inzwischen als nicht mehr unmöglich. 20 bis 30 Versuche, irgendwann war mir klar, dass das irgendwie gehen könnte. Ich war heiß drauf. Michl (Renner) ist kein Freund der Klinge. Im Spätherbst 2001, als wir uns an der Samestase trafen, sage er zu mir: „Also gut, Kremer, dann gehen wir halt heute mal an die Klinge, aber dann ziehst Du das Ding auch durch, ich will ja schließlich nicht ständig an diesen Drecksfels hinfahren“. Wir fuhren hin. Das erste, was passiert ist war, dass es mich, weil es naß war, vor dem ersten Haken im Großziegenfelder Weg (6+) gleich zurück auf den Boden schmiß! Nach zahlreichen Sympathiebekundungen (und die kommen vom Michl wirklich selten) und Nachfragen, wie es mir den ginge, lies man mich zum zweiten Mal in die 6+ einsteigen. Ich konnte die Route klettern und fast beim Exen-Einhängen auch „Chicken Modul“. Das zweite Mal war eher Formsache, abholen das Ding eben. Dabei wäre meine Rechnung fast nicht aufgegangen: Wenn Du die untere Stelle nicht klettern kannst, übe nicht in der oberen Stelle. Daher die obere Stelle fast onsight. Daher die Rechung doch aufgegangen: Wenn Du die untere Stelle mal geklettert hast, lässt Du oben nicht mehr los.

Frühjahr 2002: It’s „Knack und Back“-Time-Baby! Inzwischen hatte ich mir die Route hin und wieder mal angesehen und eine Möglichkeit rausgefunden, wie ich die ersten drei Haken halbwegs sauber gehen konnte. Inzwischen hatte ich wenigstens bessere Karten in der Route, will heißen, ich hatte Bernd Weberpals für die Tour begeistern können, er wollte sie mit mir probieren. Daher schaffte ich es auch ab und an, mal den vierten Haken ohne Hänger zu erreichen, aber es lagen ja noch ein Haken und ein Umlenker zwischen mir und der Route. Damals war ich der Ansicht, dass das nicht all zu viel sei. Es sollte sich als grober Fehler herausstellen.

Juni 2002: Martin Weberpals (der Bruder von Bernd) sagte mir, dass seine Bekannten (Hamburger) heute unterwegs wären und dass sie an die Klinge fahren wollten. Martin war dann auch da, verdröselte sich aber schnell mit seiner Freundin irgendwo am Lichtenfelser Dach. War mir auch egal, die Hamburger waren in der Route, ich schloß mich ihnen an. Sehr nette Leute, wir hatten irgendwie gleich eine Wellenlänge. Einer sagte von ihnen, dass er normalerweise für eine 9- nicht mehr als zwei Versuche bräuchte, hätte jedenfalls im Frankenjura noch für keine länger gebraucht. Ich sicherte ihn. Nach dem dritten Versuch kamen auch ihm langsam Selbstzweifel, ob es denn auch diesmal so schnell gehen würde. Ich hatte inzwischen eine Möglichkeit gefunden, wie ich sehr unsicher zum fünften Haken komme, allerdings komplett anders, als es alle andern, die ich jemals in der Tour gesehen habe machten. Nach dem sechsten Versuch, den wir beide an diesem Tag hinlegten, sagte er zu mir, in seiner typischen Hamburger Art, also so trocken wie ein Räucherfisch: „Eh, wenn Du das Ding so falsch machst, wie Du es die ganze Zeit probierst, warum suchst Du Dir nicht einfach einen einfachen 10- und probierst den, bei der Kraft, die Du da falsch verschwendest, kommst Du den bestimmt hoch!“ Ich antwortete so cool es eben ging im Ton eines Iglu Fischstäbchens: „ He, Junge, ich wohne nun mal hier und ich kann so oft ich will an die Route, und wenn ich es eben falsch mache, dann mache ich es eben falsch, das ist doch mir egal. Und wenn ich den Griff mit der falschen Hand nehme, dann nehme ich den eben so, und eure Pussy Foothock Variante mache ich sowieso nicht!“ Ich habe sie seither nicht mehr gesehen, aber ich denke, wir sind gute Bekannte geblieben....

Juli 2002: Bernd und ich an der Klinge: „Knack und Back“ Ich etwas unkonzentriert, Arbeit noch im Hinterkopf, falle ich vor dem dritten Haken raus. Bernd, auch noch etwas Arbeit im Hinterkopf, reagiert unwahrscheinlich prächtig! Rennt zurück, der Fangstoß kommt, bevor ich wirklich auf dem Boden aufschlage. Ein wenig konnte er aber auch nicht verhindern. Eingeschlagen im Dornenbusch, ich sehe aus wie durch den Fleischwolf gedreht. Gleich noch mal rein und die Stelle geklettert. Sagt schon Altmeister Güllich: Auf keinen Fall hier aufhören, sonst kriegt man Angst!

Oktober 2002: Ich habe an den unteren Stellen noch etwas gefeilt, Bernd auch. Inzwischen haben wir beide das Ding soweit im Griff, das die weiten Abflüge von mir vor dem fünften Haken recht sanft landen und Bernd auch sein Trauma vor dem dritten Haken überwunden hat. Irgendwie komme ich inzwischen zwar vom letzen Haken weg, aber irgendwie nicht sofort, mit viel ausruhen usw. Mir wird langsam klar, dass das wohl eine länger Geschichte werden wird. Bernd steigt die meiste Zeit fast nur nach, beschäftigt sich mit anderen Routen an der Klinge. Irgendwann sagt er: „Ich steigs mal vor“ und punktet. So sehr ich ihm den Erfolg gönne, so sehr nagt im Hinterkopf doch ein Gedanke: „Hat er jetzt keine Projekte mehr an der Klinge, muß ich das jetzt aufgeben?“

Ende Oktober 2002: Es geht! Am fünften Haken ohne Hänger, noch mal schütteln, nur noch den Schnapper nach oben, das wird doch wohl hinhauen! Tut es nicht! Drei Mal probiert. Beim dritten Mal der Gedanke: Wenn Du es jetzt nicht schaffst, hast Du womöglich nie mehr die Möglichkeit, es zu schaffen! Und dann losgelassen oder daneben geschnappt an der Stelle vor dem Umlenker!

April 2003: Wieder an der Klinge: Walter: „Du willst doch da rein!“ Nein, will ich nicht! Den ganzen Winter hatte ich mich mit der Route beschäftigt! Die Stellen, dann der obere Schnapper, alles klar, nur, was machst Du, wenn Du wirklich mal da oben stehst. Was machst Du eigentlich, wenn Du es mal geschafft hast? Angst! Die unteren Stellen, da bist Du auch mal fast bis zum Boden geflogen, was wäre gewesen, wenn Bernd nicht zurückgerannt wäre? Willst Du Dir das wirklich antun? Willst Du Deine Sicherungsleute immer mehr stressen? Willst Du immer zur Klinge hinrennen, als ob es keinen anderen Felsen gäbe in der ganzen Fränkischen Schweiz? Also, ich rein in die Tour: Gleiche Thematik: Bis zum fünften Haken komme ich, dann ist Schluß, weil dann alle Kraft vorbei ist. Langsam wird die ganze Sache zur Psychose: Ich denke nachts im Bett an die Route, während der Arbeit überlege ich mir andere Lösungen. Beharren auf meiner, augenscheinlich schwereren Variante oder das ganze Ding von vorne anfangen und alles so machen, wie es die Leute eben machen, die die Route dann auch schaffen....?

Anfang Mai 2003: Bernd und ich an der Klinge: Ich probiere die Route, weil sie da ist, nicht deshalb, weil ich da heute hochkommen will. Weil ich mich schon zu sehr damit beschäftigt habe, weil, weil....
Ich möchte Exen einhängen, ziehe den Zug, von dem mir jeder sagt, dass er so einen Grad schwerer ist und außerdem absolut unmöglich aufs erste Mal. Das wundert mich so, dass ich schon alleine aus Solidarität mit dem schweren Zug oben wieder runterfalle. Das Ganze ein zweites Mal, gleiches Ergebnis. Ein drittes Mal probiere ich es nicht, hat doch alles keinen Sinn....

Mitte Mai 2003: Schon wieder Klinge, wieder mit Bernd, er weiß irgendwie nicht so recht, was er machen will. Ich weiß es. Zum fünften Haken das Zweifingerloch wie immer mit der falschen Hand, dadurch ergibt sich ein Kreuzzug, an dem ich entweder rausfalle, oder so viel Kraft lasse, dass ich eben kurz danach rausfalle. Zweifingerloch gezogen, aus der Bewegung in den Seitgriff, hoppla, wieso ist das auf einmal so einfach? Ich habe doch noch gar keine Kraft gebraucht! Aus Solidarität mit meiner Kontinuität falle ich dann halt am Zug vor dem Umlenker wieder raus. Das Ganze noch mal, wieder gelingt die untere Passage bis über den fünften Haken problemlos. So geht das, jetzt müsste man das eben nur noch ganz hinkriegen, ich kann den Ausstiegshenkel vor dem Umlenker schon „riechen“

Zwei Tage später: Eigentlich wollte ich gleich am nächsten Tag wieder hin, aber aus Erbarmen mit meinen Freunden wählen wir am Donnerstag ein anderes Ziel. Am Freitag dann wieder an der Klinge, Zeit zum Abholen der Route, wird ja auch Zeit! Der erste Hänger am zweiten Haken, der zweite am dritten, der dritte am vierten, der vierte am fünften! Ich baue entnervt ab und stecke mir die Route. Ok, mal reingehen, wenn ich zufällig an der Klinge bin, aber dieses ständige Rumgehänge ohne erkennbaren Fortschritt geht mir jetzt entgültig auf den Geist. Wenn ich außerdem so weiter mache, habe ich wahrscheinlich bald keine Freunde mehr, jedenfalls keine mehr, die mit mir jemals noch an die Klinge wollen würden...

22.05.03: Walter und ich wollen zur Klinge, oder sollen wir besser sagen: Er will: Er will mir eine Freude machen damit, eigentlich will er aber zum Roland. Die vielen Autos an der Klinge lassen mich sagen: Komm, drehen wir unser Programm um, gehen wir zuerst an den Roland, dann erst an die Klinge. Wir klettern am Roland ein paar Routen, dann zur Klinge, die liegt auch nicht so im Wald, da ist es länger hell. Nun, zuerst am Roland, dann wechseln wir. Thomas Zeltener ist unten, ich hatte ihn schon ein paar Mal in „Space Invaders“ gesehen.  Ich frage noch: Und, hat es geklappt, er sagt: „Ja, hat es, vor knapp 20 Minuten“. Ich überlege, ob ich wieder umdrehen soll. Der Typ braucht maximal 10 Versuche für eine 10+/11-, ich dürfte – auch aufgrund meines Dickschädels – inzwischen beim 250. Versuch in meiner Tour gelandet sein. Vielleicht ist es besser umzudrehen und sich nicht zu blamieren, der 251. Versuch wird ja auch nicht besser.
Der Dickschädel in mir entscheidet anders, zumindest möchte ich meine Exen mal in „Knack und Back“ einhängen. Plötzlich stehe ich am fünften Haken, kurz vor der Sprungstelle. Nochmal kurz am großen Griff im Überhang ein wenig geschüttelt, ja wo will ich denn nun eigentlich hin? Ach ja, dieser große Griff am Band, ein wenig anwippen am großen Griff und dann Gas geben. Soviel Gas war gar nicht nötig, als ich ihn in der Hand hatte. Das Aufstehen dran, Füße in den Überhang sortieren, kein Problem, danach nur noch riesige Henkel zum Umlenker. Ich hänge ihn ein, ein Schrei der Befreiung schallt durchs Ziegenfelder Tal, doch schon beim Umbauen kommen mir so komische Gedanken: Jetzt hast Du die Route geklettert, was kommt jetzt? Wieso hast Du eigentlich so lange gebraucht dafür? Wieso bist Du jetzt nicht fix und fertig vor Anstrengung, total ausgepowert nach so einer Leistung, für die Du so lange gebraucht hast....

...und ehrlich gesagt: Der letzte Gedanke ärgert mich am meisten!

Danke sage ich an dieser Stelle meinen Freund Walter Krasser und vor allem meinen Freund Bernd Weberpals, der mich in stoischer Ruhe immer wieder in der Route sicherte und vor allem bereit war, in fast gebetsmühlenhafter Gleichmütigkeit immer wieder an den gleichen Fels hinzumarschieren, nur weil ich mir in den Kopf gesetzt hatte, eine Route eben schwerer zu machen, als sie wirklich ist!

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