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Die Bilder des Monats

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Das Bild des Monats
November

Meteora
 Griechenland

Klettern in der Kieselwüste im Frühling (Seite 1/6)

Der Hafen von Ancona, auch ein Stützpunkt der italienischen Kriegsmarine. Wir hatten gebucht, da mußte man eben dann dort sein, wenn das Schiff losfährt! Auch ein Problem: Wieviel Zeit rechnet man ein für unvorhergesehenes (Stau, Panne, Orientierungsschwierigkeiten usw.). Wir waren trotz kleinerer Schwierigkeiten mit meinem Alfa (durch die deutsche Abgasuntersuchung war die Zündung komplett verstellt worden) immer noch fünf Stunden zu früh. Daher wohl besser: Außer in der Hauptsaison nicht die Fähren buchen, sondern direkt im Hafen nach den nächsten Fähren fragen. Im Normalfall kriegt man immer was, dann aber auf der nächsten Fähre. Und muß nicht zusehen, wie halb leere Fähren abfahren, während man selbst noch Stunden auf die gebuchte Fähre warten muß!

Der erste Eindruck: Sieht ja gar nicht so schlecht aus! Meteora im Frühling ist einfach ein Traum. Alles blüht und gibt der Landschaft einen besonderen Zauber. Die Temperaturen sind angenehm, nicht zu kalt nicht zu heiß! Eigentlich die beste Jahreszeit für einen Besuch.

Endlich geschafft! Wir sind in Griechenland! Nachts irgendwo an der Straße übernachtet! Blieb ja auch nichts anderes übrig, die Fähre war ja erst um 22.00 Uhr in Igoumentisa. Kohldampf hatten wir ohne Ende, aber übernachten mußten wir ja auch irgendwo. Also erst mal raus aus der Stadt und eine Kneipe gesucht! Irgendwann auch eine gefunden (was essen wir denn eigentlich hier, ist das toter Hund???). Naja, die Kneipe war nun wirklich nicht so der Hit, einziger Vorteil: Wir waren schon mal in Griechenland! Am nächsten Tag unterwegs in Richtung Meteora, dazwischen ist auch das Bild entstanden: Wieso so viel Schnee zu Ostern! Das war doch nicht mal im Winter so! Nun - mal sehen, wie es in Meteora aussieht...

Selten so gefreut aufs Klettern. Obwohl schon Nachmittag und noch kein Campingplatz gesucht und kein Zelt aufgebaut: Erst mal klettern! Die Route “Schweizerkas” (7-/6-a1) mußte es sein. Im Kletterführer mit zwei von drei möglichen Sternen bewertet, das sollte dann doch gut sein. Außerdem sehen die Löcher (unten rechts der Verschneidung, da geht die Tour durch) doch recht witzig aus. Weiter oben verwendet die Tour die schwach ausgeprägte Rinne. Und das ganz oben, sollte das etwa ein Wasserstreifen sein?

Auch Führer können lügen (Kennt man ja in der deutschen Geschichte nur allzu gut)! Nur die ersten beiden Seillängen (die man bei 55m Seil gleich in einer Länge klettern kann) erweisen sich als lohnend. Die danach folgenden Rinnen sind dies weniger. Nachdem ich zu lange gerade hochgestiegen war, wurde es dann doch noch spannend. Nach 25 Metern immer noch keinen Haken geklingt, komme ich nur durch einen gewagten Quergang zum nächsten Haken. Als ich dann dort war, stelle ich fest, daß sich noch zwei Haken unter dem jetzt geklinkten befanden. Eben ein Problem in Meteora: Die Orientierung ist manchmal auch daher so schwer, weil sich die brauen Ringe praktisch gar nicht vom Fels unterscheiden. Sieht man eben keinen Ring, heißt es losklettern und hoffen, daß irgendwann mal ein Ring auftauchen wird. Die leichten Seillängen sind allerdings wiederwärtig schlecht gesichert, die schweren dagegen im Verhältnis fast schon übersichert. Also, wenn mal kein Haken zu sehen ist: Weitermachen und hoffen, daß bald einer kommt!

Die beiden Schlüsselseillängen, fotographiert im Abstieg. Witzig: Der erste Stand befindet sich an den beiden großen Löchern, ca. 5m unterhalb und 3m rechts des Kletterers, etwa in Bildmitte. Hier zwei große Schlingen mitnehmen, sonst geht das nicht durch die Löcher (geht auch als Zwischensicherung). Kann man aber auch Stand dran machen (dann aber hängend). Oder reinkriechen und die Nacht drin verbringen (dann aber besser vor dem Rauskullern sichern!).

Auf dem Gipfel des Doupiani. Trotz der im Verhältnis geringen Höhe sollte man in seinem Zeitplan den Abstieg nicht unbeachtet lassen. Er führt auf der Südseite über die leichteste Doupiani-Route: “Über den Felsrücken” (3). Bei einbrechender Dunkelheit sind allerdings die braunen Ringe auf dem braunen Untergrund nur noch dann zu erkennen, wenn man von Abseilaktionen am Tage bereits weiß, wo sie sitzen. Und ein unfreiwilliges Biwak schon in Rufweite der Kneipe direkt unter dem Doupini ist zwar nicht lebesgefährlich, kann aber zumindest zu Ostern noch unangenehm kalt sein!

Die folgenden Bilder sind nicht wirklich gut, sie geben, senkrecht nach oben fotographiert, nur bedingt die Eindrücke wieder, die bei solch ungeheueren Dimensionen auf dem Kletterer lasten. Die schlechte Absicherung trägt noch weiter zur Verringerung der Moral bei. Kleine und große Keile mitnehmen, am besten mittlere Friends gleich doppelt. Die Größen 2+3 der “Ur”-Friends von Wild Country (Größenscala ging da nur von 1-4) halten hier am besten. Hätte mir auch einer vorher sagen können, dann hätte ich sie mitgenommen. So dagegen nur Scheiß Angst gehabt!

Die netten Dächlein in Wandmitte lassen einem irgendwann daran zweifeln, daß das auch frei geht. Im Bild die relativ kurze (15m) lange 3. Seillänge. Danach wird’s dann erst richtig lustig: Die ebenfalls wieder sehr anstrengende Schlüsselseillänge.

Endlich am Gipfel. Der letzte, 5- Stemmkamin brachte mich nochmal an den Rand des Wahnsinns in der Wahnsinnsverschneidung. Ich bin einfach zu groß für solch enge Kamine, die Seillänge wurde zum scheinbar endlosen Geschiebe und Gescharre! Irgendwann dann doch auf dem Gipfel und froh, daß wenigstens noch das Wetter bis hierher gehalten hatte!

Bild links: Viel länger hätten wir aber nicht brauchen dürfen. Wenig später, am Campingplatz, sah das Wetter dann so aus. Noch schlimmer: Die folgenden Tage sah es noch genauso aus!

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Abseilen am Schweizerkas. Naja, zumindest ganz nett für den Anfang und wenigstens mal an die Kiesel gewöhnt!

Nach einer dreitägigen Anreise kann man erst mal nicht genug vom Klettern bekommen. Am nördlichen Ortsrand von Kastriki liegt einer der beiden Campingplätze. Also schnell Zelte aufgebaut und nochmal an den Doupini. Der Zeltplatz liegt rechts der Straße, nur einen Steinwurf vom Doupini entfernt. Die Routen sind meist nur 4-6 Seillängen lang, eine Kletterei so kurz vor dem Dunkelwerden bietet sich also an. Im Bild: Die Ostkante, die nur eine kurze, schwere Stelle bereithält, der Rest bewegt sich im 3. bis 5. Grad.

Heiliger Geist: Corner of Madness oder Wahnsinnsverschneidung (7/6+a1). Traumhafte Verschneidung am Heiligen Geist. Auf Bildern fast nur vom Fels gegenüber richtig einzufangen. Wenn man druntersteht, muß man den Kopf ganz weit in den Nacken drehen. Die schwarzen Streifen zeigen außerdem an: Noch nicht ganz trocken. Und die bange Frage: Wollen wir das wirklich?

Umgedrehte Welt. Die stürzenden Linien lassen zumindest halbweg erahnen, um welche Steilheit es sich handelt. Fast außschließlich leicht überhängende Riß-, Verschneidungs- und Piazkletterei. Insgesamt sehr anstrengend. Bekommt man Angst, hält man sich noch mehr fest. Dann noch anstrengender.

Vorletzte Seillänge, Schwierigkeit bald vorbei, von wegen. Die Länge entpuppte sich sehr schnell als die übelste Länge der Tour. Die im Bild sichtbare Rinne erwies sich als naß, eine geradezu tötliche Kombination in Meteora. Die feuchte 6+ Linksschleife verlangte das Äußerste, in der abschließenden feuchten 5+ Rinne war keine natürliche Sicherung anzubringen. Nur hoffen, ob das hält, blos nicht an einen möglichen Sturz denken. Die vier Zwischenhaken wurden zu Rettungsinseln, von denen man sich stets neu motivieren mußte wieder davon wegzuklettern!

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